Katharina II.
Katharina II. (1729–1796), Russisches Kaiserreich:
Von einer deutschen Prinzessin zur mächtigsten Frau Europas. Sie kam nach Russland ohne Hausmacht und blieb als Zarin mit Weitblick. Sie las Voltaire, korrespondierte mit Diderot – und führte Kriege.
Ihr Widerspruch war offen: Aufklärung im Denken, Härte im Handeln. Sie reformierte Verwaltung und Bildung, schlug Aufstände nieder und erweiterte das Reich bis zur Krim und über Polen hinaus. Als sie 1796 starb, war Russland größer und einflussreicher – und ebenso widersprüchlich wie sie selbst.
Katharina II., also known as Catherine the Great (1729–1796), was Empress of Russia from 1762 until her death. Born as Princess Sophie Auguste Friederike of Anhalt-Zerbst, she came to power after a coup that deposed her husband, Emperor Peter III. Her reign marked one of the most significant periods of political, cultural, and territorial expansion in Russian history.
Key facts
Reign: 1762–1796
Born: April 21 (2 May, N.S.) 1729, Stettin (now Szczecin, Poland)
Died: November 6 (17 N.S.) 1796, Tsarskoye Selo, near St. Petersburg
Dynasty: House of Romanov (by marriage)
Religion: Russian Orthodox (converted from Lutheranism)
Kaiserin, Aufklärerin und Frau, die einen der bemerkenswertesten Karrierewege der Geschichte beschritt – von der mittellosen deutschen Prinzessin aus Anhalt-Zerbst zur mächtigsten Herrscherin Europas, mit einem Zwischenschritt, der heute euphemistisch als „Regierungswechsel" bezeichnet würde und damals einfach Staatsstreich hieß.
Sie kam nach Russland als Importware – jung, protestantisch, ohne Hausmacht – und verwandelte sich mit einer Disziplin, die Bewunderung verdient, in das, was Russland brauchte oder zumindest glaubte zu brauchen: eine Zarin, die Voltaire las, mit Diderot korrespondierte und gleichzeitig Kriege gewann. Eine Kombination, die heute etwa so selten ist wie ein Politiker, der Kant zitiert und dabei glaubwürdig wirkt.
Ihr Widerspruch war produktiv. Sie schrieb über Menschenrechte und besaß Leibeigene; sie bewunderte die Aufklärung und erstickte den Pugačëv-Aufstand mit einer Brutalität, die keine philosophische Fußnote verdient. Doch wer daraus schließt, sie sei unaufrichtig gewesen, verkennt die eigentliche Leistung: Katharina verstand, dass Ideen Herrschaft legitimieren können, ohne sie zu binden – eine Einsicht, die in der modernen Kommunikationsstrategie jeder größeren Regierung weiterlebt, nur ohne die Eleganz der Korrespondenz.
Territorial verdoppelte sie Russland fast, schluckte die Krim – ein Vorgang, der 2014 eine merkwürdige Wiederholung erlebte –, und teilte Polen dreimal auf, als wäre es eine Verwaltungsaufgabe. Privat liebte sie leidenschaftlich und wählte ihre Favoriten mit einer Offenheit, die ihre Zeitgenossen skandalisierte und die Nachwelt fasziniert; ein Doppelstandard, der, wäre sie ein Mann gewesen, als Zeichen von Vitalität gegolten hätte.
Sie starb 1796, an einem Schlaganfall, auf dem Höhepunkt ihrer Macht – und hinterließ ein Reich, das größer, mächtiger und widersprüchlicher war als zuvor. Was vielleicht das ehrlichste Vermächtnis ist, das eine Herrscherin hinterlassen kann. (geb. Stettin, gest. Zarskoje Selo)